Prolog
Vorgeschichte
Die Aufstellung
Das Inferno
Der letzte Akt
Danach
Hostellerie
   Sehenswuerdigkeiten
Waterloo-Meeting
H.E.K.Creativ Verlag
Gaestebuch
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Prolog

Heldenverehrung, Pathos und extrem vaterländische Ideologien haben schon seit langer Zeit keinen Platz mehr in unserer modernen Welt. In der folgenden Abhandlung eines für uns heute fast unbegreiflich grausamen Kapitels der Weltgeschichte sollten nicht mehr strategische Chronologien im Vordergrund stehen, denn angesichts 50.000 Toter einer einzigen Schlacht sind sie für den humanen Menschen bedeutungslos geworden... In diesem Bericht soll bewußt menschliches Elend als Ergebnis des Krieges reflektiert werden, die Mißachtung humanitärer Grundsätze, die Vergewaltigung der Kreaturen infolge eines großen Irrtums... Nicht himmelwärts nach vorn weisende Degen und pathetisch geschwenkte Offiziershüte, als Zeichen eines heldenhaften Angriffs, prägten jenen denkwürdigen 18. Juni 1815, auch nicht die hurrapatriotischen Gesten kriegsbegeisterter Soldatenmassen, wie man sie, dem Zeitgeist entsprechend, auf damaligen Gemälden findet, sondern Angst, Panik, Verzweiflung und Schmerz... Schlachten sind niemals ein notwendiges Übel, sondern ein übler Mißbrauch, ein Vergehen am Leben. Und der Begriff "Schlacht", den man wie selbstverständlich für jedwede militärische Eskalation als Folge mißlungener Politik und Diplomatie gebraucht, gelangte in Waterloo zu seiner vollen, grausamen Bedeutung. Am Morgen jenes verhängnisvollen Sonntags trat noch die Verklärtheit Schulter an Schulter auf den weiten Feldern an - verkleidet als Glorie, Heldentum, Stolz und Patriotismus. Noch am selben Abend lag die grausame Wahrheit aus hunderttausend Wunden blutend im grundlosen Schlamm der Brabanter Äcker. Auf den Feldern vor Waterloo ist soviel schreckliches Großes geschehen, daß es weder jemals richtig beschrieben noch vollends verstanden werden kann. Dieses ist auch nur ein Versuch...

Bisher erschienen von mir vier Publikationen zum Thema:Waterloo 1815 - Die Tragödie des 18. Juni 1815, 1989; Waterloo danach... - Biographie einer historischen Stätte, 1990; Waterloo 1815 - Meilenstein europäischer Geschichte, 1999 und Waterloo Lexikon - Napoléons Belgien-Feldzug 1815 von A bis Z, 1999. Wie es andere Autoren auch taten, die weltweit über die Kampfhandlungen berichtet haben, entnahm ich betreffs des Beginns der epochalen Schlacht vom 18. Juni 1815 meine "Informationen aus erster Hand" Napoléons Memoiren von St. Helena, in denen er, um sein Feldherrngenie zu wahren, den viel zu verfrühten Angriff seiner Truppen auf den Gutshof Hougoumont fälschlich als einen durchaus geplanten Scheinangriff dargestellt hatte... Im Jahr 2011 wurde ich von einem in den USA lebenden deutschen Historiker auf einige vom ihm entdeckte "neue" schriftliche Berichte ehemaliger nassauischer Teilnehmer an den Kampfhandlungen sowie eines diesbezüglichen Briefes Jêrome Bonapartes hingewiesen, demzufolge besagter, um eineinhalb Stunden verfrühter Schlachtbeginn lediglich die Folge einer tragischen Verkettung unglücklicher Umstände innerhalb der Befehlsstruktur bzw. deren Übermittlung war. Somit sehe ich mich veranlaßt, 2012 eine neue, den Tatsachen entsprechende Publikation herauszubringen. Nachfolgend präsentieren wir hier aber schon eine korrigierte Darstellung der Ereignisse.

Helmut Konrad von Keusgen