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Vorgeschichte
Die Aufstellung
Das Inferno
Der letzte Akt
Danach
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   Sehenswuerdigkeiten
Waterloo-Meeting
H.E.K.Creativ Verlag
Gaestebuch
Impressum

Vorgeschichte

Am 26. Februar 1815 floh Ex-Kaiser Napoléon I., der erst elf Monate zuvor hatte abdanken müssen, von der Insel Elba aus dem Exil und landete in den frühen Morgenstunden des 1. März in Fréjus nahe Cannes mit eintausend Soldaten - der Beginn jener legendären Hundert-Tage-Herrschaft. Auf seinem Weg nach Paris gingen sämtliche gegen Napoléon gesandten Truppen enthusiastisch zu ihm über, statt ihn, wie vom König befohlen, gefangenzunehmen. So auch Marschall Ney, der dem XVIII. Ludwig versprochen hatte: "Sire, ich werde den Usurpator in einem eisernen Käfig nach Paris bringen..."

Auf dem Weg nach Paris ging bei La Mure das von Marschall Ney angeführte 5. Linieninfanterie-Regiment mit fast 3.000 Soldaten zu Napoléon über. Bei Grenoble trat auch das 7. Regiment mit weiteren 3.000 Männern auf seine Seite.

 

Nap   Marschall
Michel Ney,
Herzog von
Elchingen
und Fürst
von der
Moskwa
Ney
Napoléon I., Kaiser von Frankreich      

 

Bereits am 20. März 1815 zog der Kaiser, gefolgt von einem starken Heer und vom Volk umjubelt, wieder in Paris ein. Seine Rückkehr paßte absolut nicht in die Ordnung der sich in Wien versammelten Vertreter der europäischen Mächte, die sich angesichts der drohenden Gefahr zu einem Bündnis gegen Napoléon zusammenschlossen. Um ihn endgültig zu besiegen, wurden nun fast eine Million Soldaten gegen ihn mobilisiert:

  • Wellingtons Okkupations-Armee in den Niederlanden, bestehend aus Engländern, Hannoveranern, Braunschweigern, Nassauern und Niederländern, zusammen 100.000 Soldaten,
  • Blücher mit der preußischen Armee am Niederrhein und insgesamt 117.000 Soldaten,
  • Barclay de Tolly mit der am Mittelrhein stehenden russischen Armee mit 168.000 Soldaten,
  • Schwarzenberg mit 130.000 Österreichern und 125.000 Soldaten der deutschen Hilfstruppen am Oberrhein
  • Frimont mit seiner 60.000 Soldaten starken italienischen Armee in Genf.
  • Dazu kamen noch rund 300.000 Soldaten in Reserve.

Infolge eines festgelegten Plans, dessen Ausführung auf Anfang Juli festgelegt wurde, hatten die alliierten Armeen die Aufgabe, nach Paris zu marschieren. Napoléon hatte dem ungeheuren Aufgebot der Verbündeten nur rund 125.000 Mann entgegenzustellen. Sein Plan war es, nach Norden zu marschieren, dort die Armeen der Engländer und Preußen zu trennen und sie dann nacheinander zu schlagen. Am 12. Juni 1815 reiste Napoléon zur Front ab und führte seine Truppen mit ungewöhnlichem Tempo an die Grenze zu den (damals noch) südlichen Niederlanden. Bereits am 15. überschritten gegen drei Uhr nachts seine Vorposten die Grenze an drei Stellen, warfen den Gegner aus Gosselies und Frasnes und zogen nach Charleroi, das nur wenige Stunden später gestürmt wurde. Wellington zog daraufhin seine Truppen nahe Nivelles zusammen und erschien am Abend mit sämtlichen Generälen auf einem Ball der Herzogin von Richmond in Brüssel.

Von links:
Generalfeldmarschall Arthur Wellesley, Herzog von Wellington, Oberbefehlshaber über die alliierten Truppen, Friedrich Wilhelm Herzog zu Braunschweig-Lüneburg-Oels, Freikorpsführer seiner "Schwarzen Schar", August Neithardt Graf von Gneisenau, Generalfeldmarschall und Blüchers Generalstabschef, Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher, Fürst von Wahlstatt, Oberbefehlshaber über das preußische Heer, 1815 bereits 72 Jahre alt...

Kurz nach Mitternacht erhielt Wellington noch während der großartigen Ball-Festivität in Brüssel durch den preußischen Verbindungsoffizier, Generalmajor von Müffling, die Meldung, daß Napoléon mit seinen Truppen bereits bis zur nur noch 32 Kilometer von Brüssel entfernten Straßenkreuzung bei Quatre-Bras vorgedrungen war. Der Herzog veranlaßte sofort und noch für dieselbe Nacht die Konzentration seiner Streitkräfte an dieser strategisch äußerst wichtigen Straßenkreuzung...

 

Nachfolgend: Generalkarte betreffs der Truppenbewegungen während der drei Tage des französischen Feldzugs in den südlichen Niederlanden (ab 1830 Belgien).

 

Schon am Morgen des 16. Juni war Quatre-Bras von englischen Vorposten besetzt, und bis Mittag trafen noch drei Infanterie- Divisionen und einige Kavallerie-Regimenter ein, sowie die 7.000 Soldaten des Braunschweiger Freikorps des Herzogs zu Braunschweig, um den Vorstoß der Franzosen aufzuhalten. Kurz nach Mittag begannen die Kampfhandlungen. Gleichzeitig entbrannte bei Ligny mit ungeheurer Heftigkeit der französische Angriff gegen die schon am 16. Juni von Namur gegen Napoléons Angriffsspitze vorgerückten Preußen - zuerst in gleißender Hitze, dann setzte anhaltender Regen ein. Blücher mußte dem starken Druck, noch dazu unter den extrem schlechten Witterungsbedingungen, der Franzosen weichen...

Mit ungeheurer Gewalt und lange anhaltenden heftigen Nahkämpfen von bisher beispielloser Grausamkeit und während eines über mehrere Stunden dauernden schweren Gewitterregens stießen in Ligny die französischen und preußischen Truppen aufeinander und ineinander. "Keine Gefangenen machen; gebt kein Pardon", hatte Blücher seinen Soldaten befohlen. Augenzeugen berichteten später, daß sich das Blut der Schwerverwundeten in breiten Strömen durch die kleine Stadt und ihre Straßen hinab ergoß...


Die lange anhaltenden, erbitterten und zermürbenden Kampfhandlungen wurden in Ligny mit einer derartigen Heftigkeit ausgetragen, daß sie für die Masse der Beteiligten zur völligen Erschöpfung führten...

Bei Quatre-Bras und mittlerweile um Nivelles wurde ebenfalls den ganzen Tag über erbittert gekämpft. Zwar trafen nachmittags zusätzliche englische und deutsche Truppen ein, konnten sich aber, da nur vereinzelt eingesetzt, lediglich unter großen Verlusten behaupten. Als der kommandierende Herzog zu Braunschweig beim Versuch, seine zurückweichende Infanterie wieder vorwärts zu führen, durch eine verirrte Gewehrkugel den Tod fand, trat hierdurch eine Krise ein, die Wellington fürchten ließ, die Straßenkreuzung zu verlieren. Doch als man dem französischen Ansturm kaum noch standhalten konnte, traf General Carl Graf von Alten mit seiner Hannoverschen Division ein, die trotz einer mehr als zwölfstündigen Marschleistung sofort ins Feuer geführt wurde. Als dann auch noch die britischen Garden eingriffen, war Marschall Ney, der Oberbefehlshaber des linken Flügels der Franzosen, gezwungen, seine Streitkräfte zurück zu ziehen.
Um 21:00 Uhr gingen die Kämpfe mit erheblichen Verlusten auf beiden Seiten zu Ende, doch eine klare militärische Entscheidung gab es nicht. Zwar war Blüchers Armee völlig geschlagen, wurde aber in der folgenden Nacht von seinem Generalstabschef, dem Generalfeldmarschall von Gneisenau völlig reorganisiert. So zog sich das preußische Heer nicht, wie Napoléon hoffte, zum Rhein zurück, sondern nach Norden, in Richtung Wavre, südöstlich Brüssel und nahe Waterloo, um dort die Verbindung mit Wellington wieder herzustellen. Wellington indes zog sich auf den Höhenrücken des Mont-St.-Jean zurück - fünf Kilometer südlich Waterloo. Die Kampfhandlungen dieses Tages hatten rund 9.000 Menschenleben gefordert.

Der Tod des Herzogs zu Braunschweig-Lüneburg-Oels. Es wird vermutet, daß ihn versehentlich ein sich zu früh gelöster Schuß eines seiner Infanteristen getroffen hatte...

Dem schweren Gewitterregen des Vortages folgte am 17. Juni ein grau bezogener Himmel mit drückender Schwüle, und noch immer gingen schwere, lang anhaltende Regenschauer nieder. Napoléon, durch die Oberflächlichkeit des die Preußen verfolgenden Generals Pajol falsch informiert, nahm nun an, der Gegner ziehe sich in totaler Auflösung nach Namur zurück. Doch während die preußische Armee sich im Laufe des Vormittags völlig vom Feind trennte und nach Norden zog, nahmen Blücher und Wellington wieder Verbindung auf. Der englische Oberbefehlshaber erklärte Blücher, daß er am nächsten Tag, dem 18. Juni, auf dem strategisch geradezu idealen Höhenzug nur eintausend Meter südlich des Dorfes Mont-St.-Jean den Kampf annehmen werde - sofern Blücher ihn unterstützen wolle, notfalls mit nur einem einzigen Korps. Darauf erklärte der preußische Feldmarschall: "Ich werde kommen - mit meiner gesamten Armee!"

Am frühen Nachmittag des 17. Juni befahl Napoléon seinem Marschall Grouchy, der bisher lediglich die Kavallerie befehligte, General Pajol zu unterstützen und die Preußen zu verfolgen, sie nicht aus den Augen zu verlieren und, sowie möglich, anzugreifen. Der Kaiser gab ihm dafür 33.000 Soldaten und einhundert Geschütze - und schwächte dadurch seine eigene Kampfstärke erheblich... Grouchy, der bisher noch nie eine Armeegruppe selbständig befehligt hatte und keinerlei Erfahrung in der Infanterieführung besaß, übernahm den Auftrag widerwillig. Dann rückte er in Richtung Gembloux ab.

Der greise preußische Feldmarschall und "leidenschaftliche" Franzosenhasser Blücher trieb seine Soldaten zu einem enormen Gewaltmarsch in größter Eile an - zeitweise in schwerstem Regen und knietief in den Hohlwegen stehendem Wasser und Schlamm. Nach den lang anhaltenden, grausamen Kampfhandlungen des Vortages und den damit verbundenen Strapazen starben viele seiner Männer auf diesem Weg vor Erschöpfung...

Nachdem bis zum Abend des 17. Juni endgültig die letzten Schwadronen der englischen Reiterei durch die Franzosen von Quatre-Bras vertrieben worden waren, die Dunkelheit, anhaltender Dauerregen und heftiger Sturm die feindlichen Streitkräfte trennte, bezog Napoléon auf dem Gehöft Caillou Quartier an der Brüssler Straße, eine halbe Wegstunde südlich des Gasthofs "La Belle Alliance".

Das landwirtschaftliche Anwesen La Belle Alliance vor der großen Schlacht. 1765 erbaut, diente es als Umspannstation für die von Charleroi nach Brüssel fahrenden Kohlewagen. In der Nacht vor der Schlacht biwakierten darin französische Soldaten, und am 18. Juni nahmen sie hier, auf der Anhöhe gleichen Namens, ihre Ausgangsposition für die Schlacht ein. Das Hauptgebäude diente Napoléon und seinen Offizieren als Gefechtsstand.